Rechtsgrundlage fehlte – Einsätze flossen ohne jeglichen rechtlichen Rückhalt

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Ein Mandant spielte von Februar 2016 bis Oktober 2020 bei der ElectraWorks Ltd. auf der bwin-Plattform und verlor knapp 61.000 Euro in Sportwetten und Casinospielen. Das Landgericht Frankfurt entschied am 7. Mai 2026, dass ohne deutsche Glücksspielzulassung alle Verträge nichtig sind. Daraus folgt ein Anspruch des Spielers auf Erstattung seiner Verluste. Im Fokus standen das bis 2020 bestehende Lizenzverbot unlizenzierter Anbieter und der Schutz von Jugendlichen sowie suchtgefährdeten Personen als Begründung für diese Entscheidung.

Gericht weist Dienstleistungsfreiheitseinwand der ElectraWorks als unbegründet vollständig zurück

Das Landgericht Frankfurt hat in seinem Urteil vom 7. Mai 2026 festgehalten, dass der Kläger zwischen Februar 2016 und Oktober 2020 über die deutschsprachige Plattform bwin der ElectraWorks Ltd an Internet-Casino-Aktivitäten und Sportwetten teilnahm und dabei Verluste in Höhe von fast 61.000 Euro erlitt. Davon entfielen circa 59.000 Euro auf Sportwetten. Darüber hinaus stellte das Gericht fest, dass ElectraWorks das Vorgabe-Limit für monatliche Einzahlungen von 1.000 Euro mehrfach überschritten hatte.

Keine deutsche Lizenz, keine Verträge: Gerichtsurteil beeinflusst Branche nachhaltig

Gerichtlicher Tenor: Alle zwischen Februar 2016 und Oktober 2020 mit ElectraWorks geschlossenen Online-Glücksspielverträge sind nach Glücksspielstaatsvertrag nichtig, da das Angebot ohne deutsche Lizenz erfolgte. ElectraWorks hat weder einen Antrag gestellt noch eine Genehmigung erhalten. Fehlt die behördlich vorgeschriebene Lizenz, fehlt die rechtliche Basis für Wetten oder Casinoeinsätze. Folglich sind sämtliche Einsätze als unzulässig zu werten und vom Anbieter vollständig an den Spieler zurückzuzahlen – ohne jegliche Einrede oder Abzug von Verwaltungskosten.

EU-Dienstleistungsfreiheit rangiert zweifelsfrei hinter deutschem Jugendschutz und umfassendem Spielerschutz

Das Urteil des Landgerichts stellte klar, dass das deutsche Verbot für Online-Glücksspiele keine unzulässige Beschränkung der EU-Dienstleistungsfreiheit darstellt. Vorrangige öffentliche Interessen wie Jugendschutz und Prävention von Spielsucht rechtfertigten die gesetzlichen Vorgaben. Das seit dem 1. Juli 2021 implementierte Lizenzierungsverfahren ändere nichts an der rückwirkenden Nichtigkeit früherer Verträge. Ziel sei es insbesondere, den Schwarzmarkt einzudämmen und durch kontrollierte, risikoärmere Glücksspielangebote eine sichere Alternative zu illegalen Anbietern zu bieten. Gleichzeitig verbesserte Marktsicherheit.

Vorschriften zum Spielerschutz umfassen verpflichtendes monatliches Einzahlungslimit von tausend

Zur Gesunderhaltung des Glücksspielmarktes schreibt das deutsche Lizenzsystem vor, dass Einzahlungen auf Online-Plattformen auf maximal 1.000 Euro im Monat limitiert werden. ElectraWorks missachtete diese Obliegenheit und räumte den Verstoß gegen das Limit in der Gerichtsverhandlung ein. Die Richter unterstrichen, dass ohne strikte Einhaltung dieses Gebots keine Rechtsgenehmigung möglich sei. Daher war das Sportwettenangebot seit Beginn ohne gültige Lizenz und von rechts wegen unzulässig und alle Beteiligten hatten damit keine Sicherheit.

Spieler kann vollständige Einsätze zurückverlangen, Gericht betont fehlende Gesetzeskenntnis

Selbst bei Beteiligung an nicht lizenzierten Online-Spielen bleibt der Anspruch auf Rückerstattung der Einsätze bestehen, urteilte das Landgericht. Es wurden keine Hinweise auf vorsätzliches Verhalten oder Kenntnis des Verbots gefunden, da dem Kläger bis 2024 keine entsprechenden Informationen zugänglich gewesen seien. Zudem seien seine Forderungen nicht verjährt. Daraus ergibt sich, dass der Geschädigte seine gesamten Verluste uneingeschränkt und gerichtlich geltend machen kann, im Rahmen des geltenden Rechts.

Das Landgericht Frankfurt hat mit seiner Entscheidung klargestellt, dass Online-Glücksspielverträge ohne deutsche Lizenz keine rechtliche Grundlage haben und rückabzuwickeln sind. Maßgeblich ist der Glücksspielstaatsvertrag, der zwischen 2016 und 2020 alle Formen des Internet-Glücksspiels untersagte. Das Gericht legt den Fokus auf den Gemeinwohlschutz, insbesondere Jugendschutz und Suchtprävention, sowie strikt festgesetzte Lizenzauflagen. Für Spieler bei bwin und ElectraWorks Ltd. entsteht damit erstmals eine verbindliche Grundlage, verlorene Einsätze zurückzufordern.

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